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Psoriasis-Arthritis “Das Leben schenkte mir das jetzt auch noch. Ich übe mich in Demut”
Allgemeines Erscheinungsbild-Krankheitsverlauf
Die Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung, die Psoriasis-Arthritis, gehört wie die Polyarthritis („Rheuma", gleichzeitige Entzündung von fünf oder mehr
Gelenken) zu den chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen. Mediziner sprechen auch von Psoriasis arthropatica oder Arthritis psoriatica; gemeint ist dasselbe Krankheitsbild.
Erscheinungsbild
Die Psoriasis-Arthritis hat unterschiedliche Verlaufsformen. Es können generell alle Gelenke
betroffen werden, im Gegensatz zur chronischen Polyarthritis typischerweise auch die Finger- und Zehenendgelenke und oft auch alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe (sog. Wurstfinger
und -zehen). Die Krankheit kann sich mit flüchtigen Gelenkbeschwerden und Schwellungen oder mit sprunghaftem Auftreten bemerkbar machen, wobei die Schwellungen wieder völlig zurückgehen können.
Psoriasis Arthritis ist ursächlich nicht heilbar. Es kann zu einem Knochenaufbau um die Gelenke
herum kommen. Dadurch vermindert sich die Beweglichkeit der Gelenke.
Krankheitsverlauf
Die Psoriasis-Arthritis verläuft zwar chronisch, neigt aber im Unterschied zur chronischen
Polyarthritis zu langen, spontanen Ruhepausen und Besserungen. Daher ist eine unkontrollierte und kritiklose Therapie mit nebenwirkungsreichen Arzneimitteln über lange Zeiträume möglichst zu vermeiden.
Ursachen
Die Psoriasis-Arthritis wird zwar mit der Schuppenflechte der Haut in Zusammenhang gesehen.
Über ihre genauen Auslöser aber weiß man (von den bei Psoriasis diskutierten Ursachen abgesehen) praktisch nichts. Es gibt Menschen mit ausgedehnter Psoriasis der Haut, die Gelenkentzündungen bekommen, aber auch
solche mit nur wenig ausgeprägter Schuppenflechte. Die Ausprägungen der Haut sind kein sicherer Indikator.
Häufigkeit
Die Psoriasis-Arthritis ist wahrscheinlich bedeutend häufiger als bisher angenommen wurde. Es gibt Fälle der Psoriasis-Arthritis ohne und
mit Hauterscheinungen. An Psoriasis-Arthritis sind mindestens 5 bis 7 Prozent der Psoriatiker erkrankt. Es ist in der Literatur beschrieben
und eine Untersuchung des DPB zeigt, daß bei Psoriatikern mit Hauterscheinungen 20 Prozent und mehr auch an Psoriasis-Arthritis erkranken.
Diagnose
Die Diagnose „Psoriasis-Arthritis"
sollte von einem Rheumatologen gestellt und/oder bestätigt werde n. Die Krankheit zeigt an den kleinen und großen Gelenken ein v ariationsreiches Erscheinungsbild und macht deshalb die Diagnose im Einzelfall schwierig. Röntgenbilder zeigen im frühen Stadium selten
Veränderungen, Laboruntersuchungen, mit denen Entzündungszeichen im Blut oder Immunphänomene (Rheumafaktoren), Blutsenkung usw. gemessen werden, sind oft unauffällig. Es gibt leider bisher keinen eindeutigen Marker!
Abgrenzung zur chronischen Polyarthritis („Rheuma")
Hilfreich ist die Frage nach Auftreten und Dauer von Morgensteifigkeit, die bei beginnender Psoriasis-Arthritis
viel seltener Auftritt als bei beginnender chronischer Polyarthritis.
Oft sind die Endgelenke der Finger an beiden Händen gleichzeitig erkrankt, im Gegensatz zur chronischen
Polyarthritis aber asymmetrisch. Typisch ist aber auch nur Psoriasis-Arthritis an allen Gelenken eines einzigen Fingers oder einer Zehe. Die Schwellung eines ganzen Fingers oder einer Zehe
kann wegweisend für die Diagnose sein. Zudem sind oft die Kniegelenke betroffen (häufig mit Ergußbildung). Die Symptome werden leider immer wieder verwechselt.
Wirbelsäule
Eine Beteiligung der Wirbelsäule, vor allem die der Lendenwirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke (Spondylitis psoriatica), wird oft
erst spät erkannt. Die Symptome ähneln sehr der Bechterew'schen Krankheit, sind allerdings oft weniger deutlich ausgeprägt. Vorboten
können Muskel- und Nervenschmerzen oder auch Augenentzündungen sein. Die Tabelle faßt die Informationen über eine Erkrankung der Wirbelsäule bei Psoriasis-Arthritis zusammen.
Behandlung
Für die Psoriasis-Arthritis gilt - wie für die Psoriasis der Haut - daß es keine „Patentrezepte" gibt. Der oderdie Erkrankte muß - gemeinsam
mit den Ärzten - herausfinden, welche Behandlung im individuellen Krankheitsfall am besten geeignet scheint.
PSORIASIS-ARTHRITIS DER WIRBELSÄULE
Erkrankt sind ca. 1-2 % der Patienten mit Psoriasis.
Bei etwa einem Drittel einzige rheumatische Erscheinungen ohne weitere Gelenkbeschwerden- sonst häufiger die stammnahen großen
Gelenke. '
Durch Röntgenuntersuchungen ist eine bessere und sichere Diagnose zur Abgrenzung gegenüber rheumatischen Krankheiten möglich.
Deutliche röntgenologische Veränderungen an den Kreuz-Darmbeinfugen bei ca. 25 % der Patienten.
Erhöhung der Harnsäure im Blut bei ca. 50 % der Patienten.
Bei über 60 % der Patienten positiver Nachweis von HLA-B 27 im Blut (Marker für Bechterew-Betroffene).
Bessere Prognose als bei der ähnlich verlaufenden Bechterew'schen Krankheit.
Typische Krankheitszeichen
Tiefsitzende Kreuzschmerzen
- anlaufendes Steifheitsgefühl im Bereich der Wirbelsäule;
-Verschlimmerung unter Ruhebedingungen (z.B. an arbeitsfreien Tagen);
- Schlafabbruch in den frühen Morgenstunden mit Linderung nach Bewegungsübungen;
- - Umlagerungsschmerz in liegender Position;
- - Husten-und Nierenschmerz mit Ausstrahlung in die Kreuzregion;
- - Schmerzausstrahlung in Unterbauchregion und Leisten möglich;
- - Schmerzen beim Sitzen auf hartem Untergrund. -i ';
- 2. Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule;
- - tiefe Einatmung oft behindert;
- - Schmerzen bei Seitwärtsdrehung des Oberkörpers; Aufrichteschmerz;
- - Schmerzen an den Rippenansätzen im Brustwirbelbereich und Schlüsselbeinansätzen.
- 3. Schmerzen an der Halswirbelsäule:
- - Kopfnicken und Drehung des Halses schmerzhaft;
- - Schmerzausstrahlung in Richtung Hinterkopf;
- -Blick nach seitwärts schmerzhaft eingeschränkt.
- 4. Mögliche zusätzliche Hinweise:
- - Fersenschmerzen;
- - Achillessehnenschmerzen;
- - Schmerzen in den Kiefergelenken;
- - Schmerzen und Schwellungen an den Schlüsselbein- und Rippenansätzen des Brustbeins; '
- Muskel/Nervenschmerzen;
- - Schmerzen, auch Schwellungen in den stammnahen großen Gelenken (Hüft-, Knie-, Schulter- und Sprunggelenken).
- Behandlung der Gelenke
Überblick
Für die Psoriasis-Arthritis gilt wie für psoriatische Erscheinungen der Haut: Es gibt keine einfachen „Patentrezepte" als Ideallösung. Es gibt
aber verschiedene Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Die Gelenkbeteiligung bei Schuppenflechte verläuft zwar
überwiegend chronisch, neigt aber zu spontanen Ruhepausen und Besserungen. Der unkritische Einsatz von nebenwirkungsreichen Medikamenten ist daher zu vermeiden.
Konsequente Behandlung
Durch eine gezielte, konsequente, möglichst frühzeitige Behandlung der Psoriasis-Arthritis kann ein Fortschreiten der Erkrankung erheblich
verlangsamt oder gestoppt werden. Eine Umkehrung des Prozesses ist unmöglich. Bei schwersten Fällen können chirurgische Eingriffe am Gelenk helfen, die Beweglichkeit von Gelenken wieder zu verbessern.
Zusammenarbeit
Für die individuelle Behandlung ist meist die Zusammenarbeit von mehreren Ärzten unterschiedlicher Fachkompetenz (Dermatologe,
Internist, Rheumatologe) mit dem Erkrankten erforderlich. Bei gleichzeitigen Hauterscheinungen sollten Dermatologe und Rheumato-» löge Hand in Hand arbeiten.
Hallterscheinungen behandeln
Bei Psoriasis-Arthritis sollen auch psoriatische Hauterscheinungen angemessen behandelt werden, da sich bei vielen Psoriatikern mit
Gelenkbeteiligung die Gelenkbeschwerden unter einer konsequenten Behandlung der Haut oft bessern.
Von großer, wenn auch immer wieder vernachlässigter Bedeutung, vor allem bei einer Beteiligung der Wirbelsäule, sind gezielte,
regelmäßige, krankengymnastische Übungen, um einer Versteifung der Wirbelsäule möglichst aktiv entgegenzuwirken.
Die Bewegungstherapie erfordert ein großes Maß an Energie und Beharrlichkeit. Nur so kann derfortschreitenden Versteifung
erfolgversprechend begegnet werden.
Auch physikalisch-balneologische Anwendungen wie spezielle Übungen im Solebad, Mooranwendungen oder Elektrotherapie entlang der
Wirbelsäulenmuskulatur unterstützen die Behandlung.
Klimatherapie am Toten Meer
Gerade bei Psoriatikern mit Gelenkbeteiligung führt eine Klimatherapie am Toten Meer zu oft erheblichen Besserungen - bis hin zur
Beschwerdefreiheit. Vorsicht jedoch bei akut-entzündlichen Formen, die möglichst nicht am Toten Meer behandelt werden sollten
Arzneimittel
Der Einsatz von Arzneimitteln sollte erst in zweiter Linie erfolgen. Eine kontraktierte Dauertherapie sei zu vermeiden. Fragen Sie den
behandelnden Arzt, wenn sich die medikamentöse Behandlung über Monate erstrecken soll. Bei vielen Psoriatikern treten
Gelenkbeschwerden geringgradig oder nur episodisch auf und neigen häufig auch zu spontanen, langanhaltenden Ruhepausen.
Akute medikamentöse Behandlung
Der akute Entzündungsprozeß und die Schmerzen können mit Hilfe unterschiedlich starker und schnell wirksamer Medikamente gestoppt
werden. Sie haben alle ausgeprägte Nebenwirkungen. Fragen Sie den Arzt danach. Nur so können die individuellen Nutzen-Risiko-Abschätzungen erfolgen.
Unterschieden werden:
- nicht kortisonhaltige „Antirheumamittel";
- kortisonhaltige Medikamente. „Basistherapeutika"
Bei schweren Verlaufsformen kommen häufig sogenannte „Basistherapeutika" zur Anwendung. Als Basistherapeutika gelten solche
Medikamente, die auch den entzündlichen Krankheitsprozeß mindern
oder den Körper umstimulieren. Damit soll ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung mit der Gefahr von Gelenkzerstörungen verhindert werden.
Solche Medikamente sind:
Azulfidine (Kombination einer aspirinähnlichen Substanz mitSulfonamiden);
Goldsalze;
immunhemmende Substanzen;
Anti-Krebs-Mittel (Methotrexat; Endoxan).
Wegen der Wirkung der Medikamente sollte eine Anwendung und die Beobachtung des weiteren Krankheitsverlaufs in enger Kooperation
mit einem internistischen Rheumatologen erfolgen, der den Hausarzt in regelmäßigen Abständen unterrichten sollte. Günstig wäre es,
wenn der Patient auf die gegenseitige Information im eigenen Interesse aktiv Einfluß nimmt.
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