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PsoriSol Ratgeber: Mastozytose Stand Januar 2001 Download Mastzytose.pdf
Die Mastozytose gehört zu den vergleichsweise seltenen Hauterkrankungen. Im Vergleich zur atopischen Dermatitis
sind die Informationsquellen für Patienten sehr dürftig. Nicht zuletzt deswegen fühlen sich viele Betroffene verunsichert, können die tatsächliche Schwere der Erkrankung schlecht einschätzen, wissen wenig über den
Verlauf, die Prognose und Behandlungsmöglichkeiten. Häufig stellt sich bei den Patienten die Frage nach einer diätetischen Therapie der Mastozytose. Tatsächlich kann bei Patienten mit Mastozytose durch den
Verzehr histaminreicher Lebensmittel oder Lebensmittel mit einer histamin-freisetzenden Wirkung eine Verschlechterung des Krankheitsbildes hervorgerufen werden. Eine allgemeine Überempfindlichkeit gegenüber
Lebensmitteln mit erhöhtem Histamin-gehalt kann aber auch unabhängig von einer Mastozytose auftreten. Dieses Krankheitsbild wird als enterale Histaminose bezeichnet. Auch hierbei handelt es sich um ein
vergleichsweise unbekanntes Krankheitsbild.
Der Ratgeber gliedert sich aus diesem Grunde in zwei Teile: Mastozytose und die enterale Histaminose. Um Ihnen die Übersicht im
Ratgeber zu erleichtern, wurden wichtige Informationen in farbigen Kästchen hervorgehoben. Dabei wurden folgende Farben verwendet für:
Mastozytose
Einleitung
Unter dem Begriff Mastozytose fasst man eine Reihe von Erkrankungen zusammen, die durch örtliche Vermehrung von Mastzellen
in verschiedenen Organen des Körpers (am häufigsten in der H aut, dem Magen-Darm-Trakt, dem Knochenmark, den Lymphknoten, der Leber und der Milz) gekennzeichnet
sind.Mastzellen Mastzellen sind unter dem Mikroskop |als längliche oder ovale Zellen erkennbar, die mit kugelförmig verpackten
Inhaltsstoffen (zu einem großen Teil bestehend aus Histamin) prall gefüllt sind. Da diese wie gemästet aussehen, haben sie ihren Namen
„Mastzellen" erhalten. Generell ist die Mastozytose eine gutartige Erkrankung. Nur sehr selten ist eine bösartige Form der Mastozytose, die Mastzellleukämie, beschrieben worden.
Ungefähr 75 % aller Mastozytosefor-men treten vor dem zweiten Lebensjahr auf. Für das krankhaft vermehrte Wachstum der Mastzellen werden nach
neuestem Stand der Forschung bestimmte innere Faktoren und Regulationsmechanismen verantwortlich gemacht, wie z.B. Stammzellfaktor (SCF), Fibroblasten Wachstumsfaktor (FGF).
Die Mastzellen wurden 1877 von Paul Ehrlich erstmals beschrieben. Im Vergleich zu anderen Geweben sind Mastzellen in der Haut mit ungefähr 7000
Zellen/mm³ sehr zahlreich vorhanden. Neben der allergischen Stimulation der Mastzellen (z.B. durch körperfremde Eiweiße als Bestandteile von
Nahrungsmitteln oder durch Pollen) sind heute auch zahlreiche pseudoallergische Mechanismen einer Mastzellaktivierung, sogenannte Histaminliberatoren
, bekannt. Beide führen im allgemeinen zu einem klinischen Bild, das von Quaddeln an der Haut (das sind Hautveränderungen, wie Sie beispielweise nach
Insektenstichen an der Einstichstelle oder nach Kontakt mit Brennnesseln auftreten) bis zum anapylaktischen Schock reicht.
Zu den möglichen Histaminliberatoren zählen
1. Arzneimittel (z. B. Acetylsalicylsäure, Heparin, Morphin, Kodein)
2. Biologische Substanzen und Nahrungs- und Genussmittel (z. B. Insektengifte,
bakterielle Gifte, Schlangengifte, Inhaltsstoffe in Fischen, Austern und anderen ? Meerestieren, Alkohol)
|3. Physikalische Traumen (z. B. Wärme, Kälte, Druck, Reibung) 4. andere, wie z. B. Röntgenkontrastmittel
Die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen ist verantwortlich für den Juckreiz und die Quaddelbildung sowie für Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit,
Durchfall) bis hin zum anaphylakti-schen Schock bei Beteiligung innerer Organe.
Anaphylaktischer Schock
Als Schock wird allgemein ein Zustand beschrieben, bei welchem es aus unterschiedlichen Gründen zu einer Minderdurchbtutung der Organe und somit zu
einem Sauerstoffmangel im Körpergewebe kommt. Beim anaphylaktischen Bchock wird dies durch Allergene, mit welchen der Körper in Kontakt gekommen
Ist, ausgelöst. Sind pseudoallergische Reaktionen Ursache der Minderdurchblutung, spricht man von einem anaphylaktoiden Schock. Bei pseudoallergischen
Reaktionen sind die Ursachen der Reaktionen nicht allergischer Natur, die Symptome sind jedoch mit denen der allergischen Reaktionen identisch.
Kutane (an der Haut befindliche) Mastozytosen führen hauptsächlich zu
Hauterscheinungen und nur selten auch zu Beteiligung an inneren Organen. Im folgenden werden verschiedene Formen der Mastozytose näher erläutert.
Lokalisierte Mastozytosen
Mastozytom (Synonym: Mastzellnävus)
Eine selten vorkommende Hauterkrankung, die bei Geburt oder einige Monate nach der Geburt auftritt. Gelegentlich kann sie auch bei jüngeren Kindern oder
jugendlichen Erwachsenen beobachtet werden. Man findet dabei einige wenige Herde, die am gesamten Körper, meist jedoch an den Armen und Beinen
(ausgenommen sind hierbei die Handflächen und die Fußsohlen) auftreten können. Diese stellen sich in Form braunroter oder graugelber, bis münzgroßer, gering erhabener Verän
derungen dar. Nicht selten sind sie etwas dunkler als die umgebende Haut, gelegentlich sind Blasen ein auffälliges Symptom. Das Phänomen, dass sich
nach Reiben der Haut die betroffenen Stellen verändern (Rötung + Schwellung + Juckreiz), wird vom Fachmann „Darier-Zeichen" genannt. Es besteht mitunter
ausgeprägter Juckreiz. Anfälle mit einer allgemeinen Rötung der Haut (sogenannter Hista-minflush) sind jedoch sehr selten.
Prognose
Die Prognose ist gut. Die Herde können sich innerhalb längerer Zeiträume (Monate bis Jahre) ohne weitere Behandlung von alleine zurückbilden, bösartige
Entartungen kommen nicht vor.
Disseminierte Mastozytosen
Während bei Kindern mit Mastozytomen (wie oben beschrieben) nur einzelne Herde an der Haut vorkommen, sieht man bei Kindern der gleichen Altersgruppe
bei disseminierter Mastozytose am ganzen Körper verteilte, flach erhabene bis knötchenförmige Veränderungen, die gelblich oder graubräunlich aussehen
und von runder bzw. ovaler Form sind. Eine innere Beteiligung fehlt im allgemeinen.
Urticaria pigmentosa bei Kindern
Urticaria pigmentosa ist die häufigste Form aller Mastozytosen und stellt sich als regellose, am gesamten Körper verteilte Aussaat von fleckförmigen, leicht
erhabenen Hautveränderungen dar. Sie ist durch eine krankhafte Mastzell-vermehrung charakterisiert und tritt zumeist im Säuglingsalter auf. Eine Beteiligung
innerer Organe ist selten. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Erkrankung nicht erblich. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Die Säuglinge
erkranken meistens in den ersten sechs Lebensmonaten. Äußere Reize, wie z.B. Reiben, „Darier-Zeichen", heiße oder kalte Bäder, führen zu einer
Freisetzung des Inhaltes der Mastzellen. Dies wiederum führt zu einer Anschwellung der entsprechenden Hautareale. Als Folge davon kann es zu einer verstärkten bräunlichen Verfärbung der Herde kommen.
Urticaria pigmentosa
Die Maximalvariante dieser Erkrankung ist die Urticaria pigmentosa bullo-sa (bullosa = blasenförmig), bei der nach Scheuern oder Reiben unter starkem
Juckreiz blasige Herde auf den meist bräunlich gefärbten Hautveränderungen entstehen. Diese Reaktionsform kommt gewöhnlich nach dem dritten
Lebensjahr nicht mehr vor und ist insgesamt sehr selten. Sie kann jedoch mit inneren Organbeteiligungen verbunden sein.
Prognose
Die Urticaria pigmentosa bei Kindern bildet sich gewöhnlich langsam bis zur Pubertät zurück.
Urticaria pigmentosa bei Erwachsenen
Im Gegensatz zur Urticaria pigmentosa bei Kindern beginnt die Erkrankung erst im Erwachsenenalter, und die Hauterscheinungen sind mehr bräunlich-rötlich
im Farbton. Die Erkrankung ist relativ selten, auch hier besteht kein Anhalt für Vererbung. Typisch ist die langsam fortschreitende, meist massive Ausbildung
von ovalen bis rundlichen, linsengroßen, bräunlich-rötlichen, fleckförmigen Hauterscheinungen, die auch hier wieder nach Reiben die bekannten Quaddeln
(„Darier-Zei-chen") ausbilden. Bei dieser Form der Mastozytose zeigt sich eine Bevorzugung der Haut des Rumpfbereiches. Die wesentlichsten Symptome
bestehen aus Juckreiz und den beschriebenen Reaktionen mit Quaddeln (Quaddel = Urtica) nach Reiben und anderen physikalischen Reizungen in Folge von
Histaminausschüttung aus den Hautmastzellen. Bei einer generalisierten Freisetzung von Histamin kann es auch hier zu einem Histaminflush (Rötung der
Haut an einzelnen Körperarealen oder im Extremfall an der gesamten Haut), Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit und schockartigen Symptomen kommen.
Prognose
Chronischer Verlauf über Jahre. Die Prognose bezüglich einer Rückbildung der oft kosmetisch stark störenden Hauterscheinungen muss zurückhaltend
gestellt werden. Bei dieser Form der Erkrankung kann es in seltenen Fällen zu einer tumorartigen Einwanderung von Mastzellen ins Knochenmark oder in innere Organe kommen.
Systemische Mastozytosen
Bei systemischen Mastozytosen bestehen neben den oben genannten Hauterscheinungen auch krankhafte Mast-zellansammlungen in inneren Organen.
Manchmal können auch nur die inneren Organe ohne Hautbeteiligung erkrankt sein. Die Beschwerden bei systemischer Mastozytose sind abhängig vom Ort der Mastzellvermehrung.
Die bösartigste Art der systemischen Mastozytosen ist die Mastzellleukämie, eine sehr seltene, schnell verlaufende Leukämieform.
Schon bei Verdacht auf eine Organbeteiligung, welche sich z. B. durch Knochenschmerzen, häufige Magen-| Darm-Beschwerden und/oder Durchfälle nach
den Mahlzeiten bemerkbar machen, sollten weitergehende ^Untersuchungen erfolgen.
Skelettbeteiligung
Diese äußert sich in umschriebenen Defekt- und Missbildungen des Knochens durch Mastzelleinwanderung, bevorzugt an den langen Röhrenknochen der
Arme und Beine. Selten tritt dies bei Kindern auf.
Magen-Darm-Trakt
Je nach Verlauf kommen Erbrechen, Durchfall, Störungen der Nahrungsauf^ nähme (Malabsorption), Bauchschmerzen und Geschwüre vor. Für die Symptome
ist wahrscheinlich die Freisetzung großer Mengen von Histamin verantwortlich.
Milz- und Lebervergrößerung
Diese kommt zusammen mit Lymphknotenschwellungen in Folge von Mastzellansammlungen vor und stellt in Bezug auf die Krankheitsdauer und -Intensität
ein ungünstiges Zeichen dar.
Kreislaufsymptome
Durch vermehrte Anwesenheit von Histamin im Blut können zu schneller oder zu langsamer Herzschlag, arrhythmischer Herzschlag, Bluthochdruck sowie zu
niedriger Blutdruck bis hin zum Schock die Folge sein.
Diagnostik der Mastozytosen -welche Untersuchungen sind nötig?
Die Diagnose ist meist anhand der Hautveränderungen zu stellen. Das zuvor genannte Darier-Zeichen kann zur Abgrenzung gegenüber anderen ähnlich
aussehenden Hauterscheinungen dienen.
- Die feingewebliche Untersuchung (Histologie) zeigt stets ein typisches Bild der Mastzellvermehrung. Für diese Untersuchung wird unter örtlicher
Betäubung ein kleines Stück Haut (ca. 3 bis 4 mm Durchmesser) aus einem Mastozytoseherd entnommen und nach entsprechender Aufbearbeitung unter dem Mikroskop betrachtet.
- Bei Reizung ausgedehnt befallener Haut oder bei systemischer Beteiligung kann oft ein verstärkter Nachweis von Histamin im Blut und im Urin
erbracht werden. ,
- Um ein Wachstum von Mastzellen im Knochenmark auszuschließen, sollte eine Knochenmarkspunktion durchgeführt werden. Hierbei wird mit einer
feinen Nadel in örtlicher Betäubung aus dem Beckenkamm oder aus dem Brustbein eine kleine Menge Knochenmark entnommen.
- Auf der Suche nach möglichen Ansammlungen von Mastzellen in inneren Organen wird eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums sowie eine
Röntgenaufnahme des Brustkorbes durchgeführt.
- Auch die Schleimhäute (das sind hauptsächlich alle Oberflächen des Verdauungstraktes, vom Mund über den Magen bis zum Enddarm) können an
Mastozytose erkrankt sein, Daher erfolgen Inspektionen und Probeentnahmen der Magen- und Darmschleimhaut im Rahmen von Magen-und Darmspiegelung.
- Bei (oft schmerzhaften) Knochenbeteiligungen kann gegebenenfalls eine Skelettszintigraphie erforderlich sein. Dabei wird eine schwach radioaktive
Flüssigkeit in eine Vene gespritzt und nach einer vorgegebenen Zeit mit einer sehr strahlenempfindlichen Kamera der Körper „photographiert". Die
Knochenabschnitte, in denen sich viele Mastzellen angesammelt haben, heben sich kontrastreich auf dem entstandenen Bild ab.
- Bei systemischer Beteiligung der Mastozytose kommt es neben dem Histamin auch zu einer verstärkten Ausschüttung anderer Inhaltsstoffe der
Mastzellen ins Blut. Diese Stoffe, z. B. die Mastzelltryptase, können dann im Blutserum nachgewiesen werden. Eine bewährte Methode bei systemischer Mastozytose ist zudem die Bestimmung von Methylhistamin im Urin.
- Bei Verdacht auf innere Beteiligung können, je nach den Beschwerden, weitere Abklärungen erforderlich sein.
Behandlungsmöglichkeiten
Bitte wenden Sie sich an die PsoriSol Fachklinik 09151-7290 oder www.psorisol.de
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